Geburtstagsüberraschung

P1190299

Sieht fast schon ein bisschen aufdringlich aus, wie ich mich so an diesen roten Roller lehne, oder? Aber es ist ganz und gar nicht meine Intention, diesem motorgetriebenen Vetter auf die Pelle zu rücken. Ganz im Gegenteil: ich finde, dass sich mein dezentes Karminrot so gar nicht mit diesem Knallrot verträgt. Und es geht ja auch gar nicht um den Roller, sondern um diese süße, bunte Katze, die gerade so friedlich auf seinem Sattel döst. Aber vor ein paar Minuten war das Bild alles anders als friedlich! Und das kam so:

Nasire, mein Besitzer, hat eine wunderschöne Freundin: lange, dunkle Haare, große, braune Augen und ein sanftes Lächeln, das meine Kette immer zum Flattern bringt, weil ich so gerührt bin. Auf jeden Fall hatte Aicha, so heißt sie, gestern Geburtstag. Und Nasire hatte sich in den Kopf gesetzt, ihr eine kleine Katze zu schenken. Denn davon hat sie immer geschwärmt, wie schön es doch wäre, wenn sie eine dieser bunt gescheckten Katzen hätte. Und tatsächlich hat einer von Nasires Freunden eine Katze, die schon vor einigen Wochen Junge bekommen hat. Nach langem Hin und Her hat Nasire dann seinem Freund eines dieser Jungen abgeschwatzt – und auch noch das schönste, mit diesem netten Muster hinter den Ohren.

Und heute war nun der Tag, an dem die Übergabe stattfinden sollte. Ganz früh schon sind wir zu Nasires Freund geradelt, um das kleine Fellbündel in Empfang zu nehmen und Aicha zu überraschen. Nasire war schon ziemlich aufgeregt, wie er mich mit der Mieze unter dem Arm durch die engen Gassen von Marrakesch gelenkt hat. So zeitig am Morgen war nicht viel los und die meisten Marktstände hatten noch geschlossen. Aber dann ist ein knatterndes Moped viel zu schnell um die Ecke geschossen, und vor Schreck hat Nasire die Katze losgelassen. Und die – auch ganz verschreckt – war sofort in der nächsten Gasse verschwunden. Wir natürlich gleich hinterher! Aber so ein kleines Viech im Halbdunkel der Häuser zu finden, ist wirklich keine leichte Aufgabe. Und immer, wenn wir schon so nah dran waren, dass wir glaubten, dass wir sie gleich haben, ist sie wieder auf und davon. Unter den Regalen mit dem Obst weg und zwischen den großen Körben mit den Gewürzen durch. Man glaubt ja gar nicht, wie schnell so eine kleine Katze schon sein kann. Auch wenn er noch so schnell in meine Pedale getreten ist, sie war immer um eine Spur flinker.

Ganz verzweifelt war Nasire schon. Plötzlich stehen wir vor diesem roten Roller und die Kleine schläft ganz seelenruhig darauf. Als wäre nichts passiert! Wohl auch erschöpft von der Verfolgungsjagd. Nun halte ich hier Wache, während Nasire Aicha holt, die nur zwei Gassen weiter wohnt. Bin schon gespannt, auf ihre großen, braunen Augen, wenn sie das süße Geschenk sieht.

(Marrakesch)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s